Als erster Niederländer in den Jesuitenorden eingetreten, in Köln ausgebildet, war Petrus Canisius der Mann, der im deutschen Sprachraum die katholische Antwort auf die Reformation organisierte. Unermüdlicher Prediger, Kollegiengründer, Verfasser jahrhundertelang gelesener Katechismen, verdiente er den Beinamen „zweiter Apostel Deutschlands". Sein Wirken in Köln macht ihn zu einer rheinischen Schlüsselfigur der Gegenreformation.
Was man sehen sollte
Canisius hinterließ keine Denkmäler, sondern Institutionen und Bücher. Seine drei Katechismen — die Summa doctrinae christianae und ihre Kurzfassungen — erkennt man an der Form von Frage und Antwort, der Matrix des Religionsunterrichts über Generationen. In Köln bewahren die Universität und die ersten Jesuitenhäuser die Spur seiner Anfänge; in Freiburg (Schweiz) erinnern das von ihm gegründete Kollegium St. Michael und sein Grab an seine letzten Jahre. Der Porträtstich von 1699 zeigt ihn als strengen Jesuiten mit einem Buch in der Hand.
Geschichte
1521 in Nijmegen als Sohn eines wohlhabenden Bürgermeisters geboren, studierte Canisius in Köln, wo er mit neunzehn Jahren seinen Magister erwarb. Die Begegnung mit Peter Faber, einem der ersten Gefährten des Ignatius von Loyola, war entscheidend: 1543 wurde er der erste Niederländer in der Gesellschaft Jesu. Nach Deutschland gesandt, predigte, lehrte und beriet er katholische Fürsten und päpstliche Legaten. Als erster Provinzial Deutschlands gründete er Kollegien von Innsbruck bis Wien, von München bis Freiburg. 1591 von einem Schlaganfall getroffen, verbrachte er seine letzten Jahre in Freiburg, wo er 1597 starb. 1864 seliggesprochen, wurde er 1925 heiliggesprochen und zum Kirchenlehrer erklärt.
Symbole und Geheimnisse
Canisius' Stärke war die Einsicht, dass die Reformation durch Druck und Schule gewonnen wurde. Wo Luther den Protestanten einen klaren Katechismus gegeben hatte, schuf Canisius dessen katholisches Gegenstück, pädagogisch und maßvoll, die brutale Polemik meidend. Seine Waffe war nicht der Scheiterhaufen, sondern der Klassenraum: Das kostenlose und anspruchsvolle Jesuitenkolleg wurde zum Instrument einer stillen Rückgewinnung der Eliten. Seine Mäßigung — er riet von gewaltsamer Zensur ab und setzte auf das Beispiel — hebt sich vom Bild einer rein repressiven Gegenreformation ab.
Warum dieser Mann zählt
Canisius ist mit Albrecht von Brandenburg und Hermann von Wied einer der drei Schlüssel zum Verständnis des konfessionellen Kampfes im Rheinland. Wo Hermann Köln beinahe zur Reformation führte, verankerte Canisius dort den Katholizismus dauerhaft durch die Bildung. An den niederländischen Rändern geboren, am Rhein ausgebildet, im ganzen Reich tätig, verkörpert er die internationale Dimension der deutschen religiösen Renaissance.
