Als Schlosser und Uhrmacher Nürnbergs ging Peter Henlein als Erfinder der Taschenuhr in die Legende ein. War er auch nicht der Einzige, so gehört er doch zu den Ersten, die die Zeit in ein kleines, von einer Feder bewegtes Metallgehäuse einschlossen — die berühmten „Nürnberger Eier".
Was man sehen sollte
Henleins Erbe zeigt sich in den kleinen tragbaren Federzuguhren des 16. Jahrhunderts, Gehäusen aus Messing oder vergoldetem Eisen, zylindrisch wie Trommeln oder rundlich wie Eier, durchbrochen, um ein einziges Zifferblatt sehen zu lassen, und oft mit Gravuren geschmückt, bewahrt in den großen Museen für Kunstgewerbe, besonders im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Diese wie Schmuckstücke gearbeiteten Objekte zeigen die Verbindung von Mechanik und Goldschmiedekunst. In Nürnberg ist das Andenken Henleins mit der Geschichte der Metallhandwerke und der Zeitmessung verknüpft, deren Hauptstadt die Stadt war. Beachten Sie die Kleinheit des Mechanismus, die Gravur der Gehäuse und das Fehlen eines Minutenzeigers: Man las damals die Stunde, nicht die Minute.
Geschichte
Um 1485 in Nürnberg geboren, ist Henlein Schlosser, Mitglied einer mächtigen und angesehenen Zunft in einer Stadt, in der die Metallbearbeitung König ist. Seine Jugend ist von einer dunklen Episode geprägt: In eine Schlägerei mit tödlichem Ausgang für einen Schlossergenossen verwickelt, flüchtet er sich zeitweise in ein Franziskanerkloster, um der Justiz zu entgehen. Ins bürgerliche Leben zurückgekehrt, spezialisiert er sich auf feine Mechanismen und erwirbt einen Ruf als Uhrmacher und Instrumentenbauer. Die spärlichen, aber kostbaren zeitgenössischen Quellen erwähnen ihn als Hersteller kleiner Uhren und mechanischer Vorrichtungen und als Lieferanten der Stadt. Um 1542 stirbt er in Nürnberg. Die Überlieferung, die ihn zum alleinigen „Erfinder" der Uhr macht, bildete sich lange nach seinem Tod, im 18. und 19. Jahrhundert; seine tatsächliche Rolle als Pionier ist durch die Texte seiner Zeit bezeugt.
Symbole und Geheimnisse
Die kleine tragbare Uhr ist eines der aufschlussreichsten Objekte der Renaissance: Sie setzt die Beherrschung der Triebfeder, des miniaturisierten Räderwerks und der Metallbearbeitung in winzigem Maßstab voraus, lauter technische Herausforderungen, die nur wenige Handwerker meistern konnten. Sie spricht auch von einem tiefgreifend veränderten Verhältnis zur Zeit, die man fortan bei sich trägt, im Beutel oder am Hals, statt sie an der Uhr des Stadtturms abzulesen. Dass dieses Objekt in Nürnberg entstand, ist kein Zufall: Die Stadt vereinte die Metallhandwerke, die Kaufleute, um die Instrumente in ganz Europa zu verkaufen, und die Gelehrten, um über ihren Gebrauch und ihre Vervollkommnung nachzudenken.
Warum dieser Ort zählt
Henlein verkörpert die technische Seite der deutschen Renaissance, weniger berühmt als ihre Maler, aber ebenso neuerungsfreudig, und erinnert daran, dass die mechanische Erfindung ein Ruhm Nürnbergs war, ebenso wie die Kunst Dürers. Die Miniaturisierung der Uhr ist eine Meisterleistung, die Jahrhunderte der Präzisionsuhrmacherei und, weiter gefasst, das Bündnis von Wissenschaft und Industrie ankündigt. Durch ihn erscheint Nürnberg als ein Labor der europäischen Mechanik, in dem sich die Kunst des Ingenieurs und die des Goldschmieds treffen. Dass er in den folgenden Jahrhunderten, bisweilen um den Preis der Legende, zum Nationalhelden wurde, zeigt die symbolische Kraft eines Objekts, das als erstes die Zeit in die Tasche der Menschen legte.
Dass ein einfacher Schlosser im kollektiven Gedächtnis zum Vater der Taschenuhr wurde, zeigt den Stolz einer Stadt auf ihre Handwerke und die Kraft der Objekte, die den Alltag verändern. Hinter der Legende bleibt Henlein das Symbol jenes Nürnberger mechanischen Genies, ohne das sich die deutsche Renaissance nicht ganz verstehen lässt. Die Taschenuhr ist sein dauerhaftes Erbe.
