Maler, Grafiker und Baumeister Regensburgs, ist Albrecht Altdorfer der Meister der Donauschule. Vor allen anderen machte er die Landschaft — tiefe Wälder, Berge, lodernde Himmel — zum eigentlichen Thema seiner Bilder, gipfelnd in einer Schlacht, die im Maßstab des Kosmos gesehen ist.
Was man sehen sollte
Die Alexanderschlacht (1529) in der Alten Pinakothek in München ist sein Welt-Werk: Tausende winziger Soldaten kämpfen unter einem gewaltigen Himmel, an dem Sonne und Mond selbst eine Schlacht austragen, während eine in der Luft schwebende Tafel das Ereignis benennt. Suchen Sie auch seine kleinen Waldlandschaften, unter den ersten der Geschichte ganz ohne menschliche Figur, in denen Tannen und Waldränder die einzigen Gestalten werden, und seine feinen, spitzenhaften Stiche, in denen er Laubrahmen erfindet. In Regensburg hat seine Tätigkeit als Stadtbaumeister ihre Spuren in den Bauten der Stadt hinterlassen. Beachten Sie schließlich seine Farbe: tiefe Rottöne, Abendgold, dunkle Grüntöne, die seinen Szenen eine gewitterhafte Stimmung geben.
Geschichte
Um 1480 geboren, vermutlich Sohn des Malers Ulrich Altdorfer, erwirbt er 1505 das Regensburger Bürgerrecht und verbringt dort seine ganze Laufbahn. Die Stadt an der Donau ist damals ein großer Handelsknoten und das Herz der Schule, die den Namen des Flusses tragen wird. Altdorfer wird dort zum wohlhabenden Honoratioren: Ratsmitglied, zuständig für die Befestigung, Stadtbaumeister, Hausbesitzer. 1519 wirkt er an der Vertreibung der jüdischen Gemeinde der Stadt und am Bau einer Wallfahrtskirche am Ort der zerstörten Synagoge mit, ein Vorgang, den er selbst durch Stiche dokumentiert. Als gefragter Maler arbeitet er auch für Herzog Wilhelm IV. von Bayern, der bei ihm die Alexanderschlacht für einen Zyklus großer historischer Schlachten bestellt. 1538 stirbt er wohlhabend und angesehen in Regensburg und hinterlässt ein zahlenmäßig geringes, aber radikal originelles Werk.
Symbole und Geheimnisse
In der Alexanderschlacht wird der antike Kampf zwischen Alexander und Darius zur Allegorie des Zusammenstoßes zwischen Abendland und Morgenland, ein unmittelbarer Nachhall der osmanischen Bedrohung, die 1529, im Jahr des Bildes, auf Wien lastet. Der zwischen aufgehender, triumphierender Sonne und sinkendem Mond geteilte Himmel verdoppelt die irdische Schlacht mit einem himmlischen Drama, als entschiede sich das Schicksal der Reiche auch in den Gestirnen. Bei Altdorfer ist die Natur nie bloße Kulisse: Wälder, Berge und Wolken vibrieren von einer beunruhigenden, beinahe beseelten Gegenwart, als besäße die pflanzliche und mineralische Welt eine eigene Seele. Diese zu seiner Zeit beispiellose Verschmelzung von Landschaft und Emotion macht ihn zu einem einsamen Visionär.
Warum dieser Ort zählt
Altdorfer erfindet eine Weise, die Natur zu betrachten, die zu seiner Zeit ohnegleichen ist und aus weiter Ferne die Romantik des 19. Jahrhunderts ankündigt. Indem er die Landschaft zum eigenen, von jeder religiösen oder historischen Szene gelösten Thema macht, erweitert er das Feld der europäischen Malerei grundlegend. Als Hauptgestalt der Renaissance im süddeutschen Raum zeigt er zugleich, wie ein Künstler in einer Reichsstadt zugleich genialer Maler, Unternehmer und in die Geschäfte seiner Stadt verstrickter politischer Amtsträger sein konnte. Seine Werke, verstreut zwischen München, Regensburg, Wien und den großen Museen, bewahren die Kraft einer einzigartigen Vision, in der die deutsche Renaissance einen ihrer persönlichsten Höhepunkte erreicht.
Zu Lebzeiten vereinzelt, ohne wirklichen Nachfolger, bleibt Altdorfer dennoch einer der großen Erfinder der europäischen Kunst, und die Wiederentdeckung seines Werks hat das moderne Nachdenken über die Ursprünge der Landschaft genährt. Regensburg, seine Stadt, bewahrt in ihm eines ihrer berühmtesten Kinder und das Herz der Donauschule, deren Name heute weltweit in den Museen geführt wird.
