Die Reichsstadt der Bankiers
Um 1500 zählt Augsburg zu den reichsten Städten des Heiligen Römischen Reiches. Als Freie Reichsstadt, Messeplatz und Scharnier zwischen Italien und dem Norden verdankt sie ihren Wohlstand dem Fernhandel und vor allem dem Bankwesen. Eine Familie beherrscht das Geld Europas: die Fugger. An ihrer Spitze steht Jakob Fugger, genannt der Reiche, der Fürsten und Kaiser finanziert und 1519 die Kaiserwahl Karls V. mitträgt. Diese Finanzmacht schlägt sich unmittelbar in Stein und Farbe nieder: Augsburg wird zu einem der Tore, durch die die Formen der italienischen Renaissance nach Deutschland gelangen.
Die Fuggerkapelle, erstes Renaissancewerk Deutschlands
Das Gründungswerk steht bei St. Anna. Im ehemaligen Karmelitenkloster, dem heute das ehemalige Kolleg St. Anna angegliedert ist, lässt Jakob Fugger gemeinsam mit seinen Brüdern Ulrich und Georg eine Grabkapelle errichten. Der Bau entsteht zwischen 1509 und 1512, die Weihe erfolgt im Januar 1518. Diese Fuggerkapelle gilt als das erste Bauwerk im Stil der Renaissance auf deutschem Boden: Säulen, Pilaster, eine Marmorbalustrade und ein skulpierter Zyklus nach italienischem Formenschatz. Die Entwürfe werden mit dem Umkreis Albrecht Dürers in Verbindung gebracht, der den Fuggern nahestand, während die bildhauerische Ausführung vor allem der Augsburger Werkstatt Sebastian Loschers zugeschrieben wird. Ringsum setzen die Patrizier-Epitaphien von St. Anna dieses neue Repertoire fort.
Augsburger Maler: Holbein der Ältere und Burgkmair
Die Stadt ist zugleich ein Zentrum der Malerei. Hans Holbein der Ältere, Vater des berühmten Bildnismalers, führt hier eine Werkstatt und schafft Altäre und Porträts von feinem Realismus. Sein Zeitgenosse Hans Burgkmair der Ältere (1473–um 1531), Maler und Holzschneider, gehört zu den ersten deutschen Künstlern, die den italienischen Einfluss offen aufnehmen. Burgkmair gestaltet die Fassade des Hauses von Jakob Fugger, das oft als erster Palast italienischen Geschmacks in Deutschland beschrieben wird. Aus diesem Umfeld stammt unter anderem das Bildnis Jakob Fuggers des Reichen, das Bild des Kaufmanns mit der goldenen Haube, das das Gesicht des großen Financiers für Jahrhunderte geprägt hat.
Die Fuggerei, Siedlung der Barmherzigkeit
1521 stiftet Jakob Fugger die Fuggerei, eine Siedlung kleiner Wohnhäuser für bedürftige, aber unbescholtene Augsburger. Überwiegend zwischen 1514 und 1523 errichtet, ist sie die älteste noch bestehende Sozialsiedlung der Welt. Ihre Bewohner entrichten nur eine symbolische Jahresmiete und verpflichten sich, für die Stifterfamilie zu beten: Nächstenliebe, geistliches Kalkül und Prestige verbinden sich in einer Geste, die für diese kaufmännische Renaissance kennzeichnend ist.
Elias Holl und das monumentale Gesicht der Stadt
Ein Jahrhundert später prägt ein zweites goldenes Zeitalter die Innenstadt unter dem Stadtwerkmeister Elias Holl (1573–1646), dem Meister der deutschen Spätrenaissance. Von ihm stammen das Zeughaus (1602–1607) mit seiner eindrucksvoll skulpierten Fassade, der Umbau und die Erhöhung des Perlachturms (1612–1618) und vor allem das Augsburger Rathaus (1615–1620), dessen Goldener Saal zu den Höhepunkten der profanen Architektur der Epoche zählt. Die Stadtmetzg und weitere Zweckbauten runden dieses städtebauliche Werk ab.
Brunnen, Wasser und Spuren
Auf den großen Plätzen krönen drei Bronzebrunnen die Augsburger Renaissance: der Augustusbrunnen von Hubert Gerhard (1589–1594), dem römischen Stadtgründer gewidmet, sowie der Merkurbrunnen und der Herkulesbrunnen, vom niederländischen Bildhauer Adriaen de Vries gegen Ende des Jahrhunderts modelliert. Sie gehören heute zum UNESCO-Welterbe des Augsburger Wassermanagement-Systems, von dem auch die Wassertürme am Roten Tor zeugen. Ringsum bilden der Dom Unserer Lieben Frau, die Basilika St. Ulrich und Afra mit ihren Renaissance-Monumenten, das Köpfhaus, das Wertachbrucker Tor und die Fuggerhäuser ein Stadtbild, in dem die Erinnerung an die Bankiers überall lesbar bleibt.
