Im Obergeschoss des Überlinger Rathauses am Bodensee wurde der Ratssaal 1490-1494 vom Ravensburger Bildhauer Jakob Russ ausgestattet. Er gilt als eines der eindrucksvollsten Beispiele spätgotischen Realismus' an der Schwelle zur Renaissance und als einer der am besten erhaltenen Profanräume Süddeutschlands.
Was zu sehen ist
Alles Interesse liegt im geschnitzten Schmuck. Ein durchlaufender Figurenfries aus Lindenholz zieht sich über die Vertäfelung: Einundvierzig Figuren entfalten die Reichsstände, vom Kaiser bis zum Bauern, nach dem mittelalterlichen Quaternionensystem, das das Reich in Vierergruppen ordnete (Herzöge, Grafen, Städte, Bauern…). Man liest hier ein regelrechtes politisches Bild des Reichs, in dem jeder Stand seinen Platz in einer als unveränderlich gedachten Hierarchie hat, mit scharfem Sinn für Tracht und Gesicht geschnitten. Dieser minutiöse Realismus, in den Formen noch gotisch, doch schon auf die Beobachtung der Wirklichkeit gerichtet, kündigt den Geist der Renaissance des Nordens an. Der Saal ist kein totes Dekor: Er dient der Stadtverwaltung bis heute als Sitzungssaal, eine seltene Kontinuität, die seinen Wert erhöht.
Geschichte
Überlingen war damals eine wohlhabende Freie Reichsstadt, und ihr Rat wollte einen Saal nach Maß dieses Ranges. Er beauftragte Jakob Russ und seine Werkstatt mit der gesamten Vertäfelung und dem Fries; der Bildhauer und seine Gesellen machten ihn zum Prunkstück des ganzen Hauses, das Bürger wie durchreisende Gäste beeindrucken sollte. Das um die Quaternionen geordnete Bildprogramm behauptete den Platz der Stadt im Gefüge des Reichs. Das Ganze zählt zu den großen bürgerlichen Innenräumen des ausgehenden deutschen Mittelalters. Dass der Saal seit mehr als fünf Jahrhunderten ununterbrochen seiner ursprünglichen Bestimmung dient, ist eine europäische Seltenheit und verbindet den künstlerischen Wert mit einer lebendigen institutionellen Kontinuität. Überlingen zeigt so, wie eine Reichsstadt ihr Selbstverständnis in Holz schnitzen ließ. Kaiser, Fürsten, Städte und Bauern stehen darin als dauerhaftes Bild der Reichsordnung nebeneinander.
In der Nähe
Der Bodensee und seine Reichsstädte; Ulm mit dem Münster, flussaufwärts an der Donau.
- histoire : voir corps.
- contes_legendes : (pas de matière attestée retenue.)
- sources :
- [{ "titre": "Rathaus (Überlingen) — Wikipedia (DE)", "url": "https://de.wikipedia.org/wiki/Rathaus_(%C3%9Cberlingen)", "niveau": 3 }]
- [{ "titre": "Echt Bodensee — Überlinger Rathaussaal", "url": "https://www.echt-bodensee.de/attraktion/ueberlinger-rathaussaal-9be5306f97", "niveau": 3 }]
- quiz :
{ "question": "Que représente la frise sculptée de la salle du conseil d'Überlingen (1490-1494) ?", "choices": ["Les travaux des mois", "Les états du Saint-Empire, de l'empereur au paysan", "Les apôtres", "Les comtes de Wurtemberg"], "correct": "Les états du Saint-Empire, de l'empereur au paysan", "explanation": "Jakob Russ y sculpta 41 figures des états de l'Empire selon le système des quaternions." }

