HitsMap

Renaissance in Deutschland

Schloss Rochlitz

Rochlitz

Schloss Rochlitz

Treten Sie durch die Schwarzküche ein und blicken Sie zu Gewölben auf, die Jahrhunderte von Feuern mit Ruß überzogen haben. Es ist der Bauch des Schlosses: Hier richtete man die Tafeln der Herzogin Elisabeth von Hessen, die Rochlitz von 1537 bis 1547 hielt und dort die Reformation mit Gewalt einführte, gegen ihren katholischen Schwiegervater Georg den Bärtigen. Während man in der Küche die Glut unter den beiden Zwillingstürmen schürt — der hellen und der finsteren „Jupe" —, bietet eine lutherische Fürstin in ihrem Witwensitz einem ganz Rom treu gebliebenen Haus die Stirn. Der rote Rochlitzer Porphyr, Stein der Gegend, umfängt dieses Kräftemessen.# Schloss RochlitzÜber der Zwickauer Mulde erhebt Schloss Rochlitz seine zwei mächtigen Zwillingstürme, die „Lichte Jupe" und die „Finstere Jupe", weithin sichtbare Wahrzeichen. Die alte Wettiner Burg, im 16. Jahrhundert zum Witwensitz und Jagdschloss umgebaut, war vor allem Schauplatz eines religiösen Handstreichs: Von hier aus setzte eine Herzogin die Reformation durch, allein gegen ihren Schwiegervater.

Was man sehen sollte

Die beiden Rundtürme beherrschen alles: Man nannte sie die helle und die finstere, und die ganze Stadt orientiert sich an ihnen. Durchschreiten Sie das Tor: Der Hof vermengt die Zeiten, mittelalterliche Mauern und Renaissance-Einbauten, im roten Porphyr aus den Rochlitzer Brüchen, jenem warmen, der Gegend eigenen Stein. Steigen Sie zur Schwarzküche hinab: ein Gewölberaum, den Jahrhunderte von Feuern mit Ruß überzogen haben und in dem die Mahlzeiten des Hofes bereitet wurden — einer der eindrucksvollsten mittelalterlichen Wirtschaftsräume überhaupt.

Steigen Sie ins Fürstenhaus hinauf, bei den Baukampagnen des 16. Jahrhunderts zu Gemächern umgestaltet; eine Kapelle diente dem Gottesdienst. Suchen Sie die in den Stein geritzten Graffiti junger Fürsten, die hier weilten — kleine Spuren eines Hoflebens. Das Schloss hat seine wehrhafte Vergangenheit nicht getilgt: Es hat sie bewohnt.

Geschichte

Rochlitz gehört seit dem 12. Jahrhundert den Wettinern. Im 16. Jahrhundert dient es als Nebenresidenz, Witwensitz und Jagdort. Seine entscheidende Stunde schlägt 1537, als Elisabeth von Hessen (1502-1557), Witwe Herzog Johanns von Sachsen, Rochlitz als Witwensitz erhält. Als Tochter des hessischen Landgrafen, der Reformation gewonnen, wartet sie nicht: Gleich nach ihrer Ankunft führt sie den evangelischen Gottesdienst im Amt ein, gegen den ausdrücklichen Willen ihres Schwiegervaters, Herzog Georgs des Bärtigen, erbittertem Verteidiger des alten Glaubens. Von 1537 bis 1547 wird Rochlitz so, mitten im katholischen Herzogtum, eine lutherische Enklave.

Die Renaissance-Umbauten begleiten diese Jahrzehnte: Ausbau des Fürstenhauses 1537/1547, neue Kampagnen nach 1586, Errichtung des Kleinen Hauses 1588. Witwensitz, Jagdschloss: Das Schloss bleibt ein Aufenthaltsort, nie eine Hauptstadt, und gerade das hat es bewahrt.

Elisabeths Kühnheit war nicht ohne Gefahr. Georg der Bärtige, ihr Schwiegervater, suchte die reformatorische Ansteckung in seinem Land einzudämmen; doch der Tod des alten Herzogs 1539 öffnete das ganze herzogliche Sachsen mit einem Schlag der Reformation. Rochlitz war also einer der Winkel, durch die der neue Glaube ins katholisch gebliebene Land eindrang. Nach Elisabeth fand das Schloss seine stille Rolle als Residenz und Jagdort wieder; die Kampagnen am Ende des Jahrhunderts und der Bau des Kleinen Hauses 1588 gaben ihm das Renaissance-Gesicht, das man noch sieht, ohne je das raue mittelalterliche Gerüst zu tilgen, das ihm als Knochenbau dient. Es ist diese Mischung, und kein einzelnes Dekor, die heute den Wert des Ortes ausmacht — eine Burg, die sich langsam, Geschoss um Geschoss, in eine Wohnung verwandelt hat, ohne ihre Vergangenheit je zu verleugnen.

Symbole und Geheimnisse

Der wahre Schatz von Rochlitz ist kein Stein, sondern eine Tat: die einer Frau, die in den Grenzen ihres Witwensitzes eine Macht ausübte, die ihr Rang ihr anderswo verweigerte. Die Reformation bei sich einzuführen, hieß, einen Witwensitz in eine politische Handlung zu verwandeln. Die Schwarzküche wiederum erinnert an die andere Seite des Schlosses: nicht den Prunkhof, sondern den Bauch des Hauses, die Feuer, die Gerüche, die dunkle Arbeit, die den Glanz nährte.

Warum dieser Ort zählt

Weil er fast unversehrt das Gesicht eines sächsischen Aufenthaltsschlosses bewahrt: mittelalterliche Türme, Schwarzküche, Renaissance-Gemächer, Kapelle. Und weil er das Gedächtnis Elisabeths von Rochlitz hütet, einer jener reformatorischen Fürstinnen, die die Reformation nicht durch Bücher, sondern durch das konkrete Regieren eines kleinen Landes voranbrachten. In einem Jahrhundert, das den Frauen die Politik verwehrte, wurde ihr Witwensitz zur Bühne eines wirklichen, folgenreichen Handelns — und das Schloss bewahrt davon die greifbare Spur. Zwischen den beiden Türmen, der rußgeschwärzten Schwarzküche und den Fürstengemächern liest sich so nicht nur ein Bautyp, sondern ein Stück gelebter Reformationsgeschichte.

In der Umgebung

Die nächstgelegenen Renaissance-Orte.

› Die ganze Renaissance in Sachsen & Thüringen