Topograph, Kartograf und Kupferstecher, zeichnete Wilhelm Dilich (um 1571-1650) das Hessen um 1600. Seine in der „Hessischen Chronica" veröffentlichten Stadtansichten bewahren das Gesicht eines Landes, das der Dreißigjährige Krieg entstellen sollte.
Die Person
Geboren in Wabern in Hessen unter dem Namen Wilhelm Scheffer genannt Dilich, wuchs er im Umkreis des Kasseler Hofes auf. Landgraf Moritz der Gelehrte, ein gebildeter und wissenschaftsbegeisterter Fürst, stellte ihn schon 1592 an. Dilich gehörte zu den vielseitigen Künstlern seiner Zeit: Zeichner, Holz- und Kupferstecher, Chronist, Landvermesser und bald Militäringenieur.
Werdegang und Werk
Sein Meisterwerk ist die „Hessische Chronica", 1605 erschienen und 1617 erweitert: eine Geschichte Hessens, begleitet von zahlreichen Ansichten von Städten, Schlössern und Orten, nach seinen eigenen Aufnahmen gestochen. Die „Synopsis totius Hassiae" fasst diese Bilder zu einem Panorama des Landes zusammen. Zuvor hatte er eine illustrierte Chronik Bremens geschaffen (1603-1604). Seine Arbeit setzte eine geduldige Vermessung des Landes voraus: Er zeichnete Mauern, Brücken, Türme und Stadtsilhouetten mit bemerkenswerter dokumentarischer Sorgfalt. Ab 1607 widmete er sich auch Geländeaufnahmen und Festungsplänen.
Symbole und Geheimnisse
Der Wert von Dilichs Ansichten liegt in ihrem Datum. Sie zeigen Hessen kurz vor der Katastrophe: Drei Jahrzehnte später hatte der Dreißigjährige Krieg viele der von ihm gezeichneten Städte verwüstet. Seine Tafeln sind daher unersetzliche Dokumente, oft das einzige getreue Bild eines verschwundenen Bauwerks. Sein eigenes Leben geriet in den Sturm: angeklagt, in Kassel inhaftiert, floh er 1625 nach Sachsen, wo ihn Kurfürst Johann Georg I. zum Oberfestungsingenieur ernannte. Der Künstler der friedlichen Landschaften wurde zum Erbauer von Wehranlagen.
Warum er zählt
Dilich ist das visuelle Gedächtnis des Renaissance-Hessen. Wo die Architektur verschwunden ist, geben seine Stiche die Städte, Schlösser und Mauern wieder, wie sie um 1600 aussahen. Als Gestalt des Gelehrtenkünstlers im Dienst des Fürsten verkörpert er die seinem Jahrhundert eigene Verbindung von Kunst des Sehens, Wissenschaft des Messens und Kunst des Befestigens.
