Als Sohn des großen Kosmographen Peter Apian schuf Philipp Apian die erste wissenschaftliche Karte Bayerns. Als Frucht langer Vermessungskampagnen blieben seine Bairischen Landtafeln zwei Jahrhunderte maßgeblich und verkörpern das Zusammentreffen von Mathematik und Territorialmacht.
Was man sehen sollte
Sein Meisterwerk ist die von Herzog Albrecht V. in Auftrag gegebene Bayernkarte: eine riesige gemalte Wandkarte und dann, zu ihrer Verbreitung, die vierundzwanzig Bairischen Landtafeln (1568), holzgeschnittene Blätter, die das Herzogtum mit nie gesehener Genauigkeit darstellen — Städte, Dörfer, Flüsse, Wälder, Straßen und durch feine Schraffuren wiedergegebene Geländeformen. Die Bayerische Staatsbibliothek in München bewahrt Exemplare davon. Man bewundert darin die Dichte des topographischen Details, die Geschlossenheit des Ganzen und die Eleganz des Schnitts, das Ergebnis von sieben Jahren Geländemessungen durch das ganze Land. Beachten Sie die kleinen Symbole, die Städte, Marktflecken und Klöster unterscheiden: eine wahre kartographische Grammatik.
Geschichte
1531 in Ingolstadt geboren, wird Philipp von seinem Vater Peter Apian ausgebildet, dessen Lehrstuhl für Mathematik er schon in jungen Jahren übernimmt. Er vervollständigt sein Studium in Straßburg, Paris, Bourges und in Italien und wird zugleich Arzt und Mathematiker. Ab 1554 unternimmt er auf Befehl des bayerischen Herzogs Albrecht V. die systematische Vermessung des Herzogtums, eine langwierige, Schritt für Schritt geführte Arbeit, abgeschlossen durch die große gemalte Karte und dann durch ihre geschnittenen Ableitungen und einen Detailatlas. Als Protestant gerät er allmählich in Konflikt mit der gegenreformatorischen Politik des katholischen Bayern und verlässt Ingolstadt; als Professor in Tübingen verliert er auch dort seinen Lehrstuhl, weil er sich weigerte, die ihm zu starre lutherische Konkordienformel zu unterschreiben. 1589 stirbt er in Tübingen, ein angesehener, aber zweimal um seiner Überzeugungen willen vertriebener Gelehrter.
Symbole und Geheimnisse
Apians Karte ist ein ebenso politischer wie wissenschaftlicher Akt: Sein Territorium genau zu kennen heißt, es verwalten, besteuern, Recht sprechen und verteidigen zu können. Indem er Bayern Morgen für Morgen vermisst, stellt Apian die mathematische Wissenschaft in den Dienst des entstehenden modernen Staates, dessen Karte ebenso zu einem Regierungsinstrument wie zu einem Prestigeobjekt wird. Sein Schicksal als protestantischer Gelehrter, nacheinander von der katholischen und dann von der lutherischen Macht vertrieben, zeigt auch, wie fragil die Freiheit des Wissenschaftlers im vom Religionskrieg zerrissenen Europa blieb, in dem man einen Fürsten mit seinem Genie dienen und zugleich um seines Glaubens willen verfolgt werden konnte. Die Genauigkeit seiner Arbeit, von den Geographen ganz Europas gerühmt, machte sie lange zu einem unübertroffenen Vorbild.
Warum dieser Ort zählt
Philipp Apian markiert den Eintritt Bayerns und weiter Deutschlands in das Zeitalter der modernen, auf Messung und nicht auf Schätzung gegründeten Kartographie. Seine Karte, von einer Genauigkeit, die die Zeitgenossen zur Bewunderung zwang und fast zwei Jahrhunderte als Vorbild diente, bleibt eine der großen wissenschaftlichen Leistungen der deutschen Renaissance und ein unersetzliches Dokument über das Land im 16. Jahrhundert, seine Dörfer, Wälder und Wege. Durch ihn verbindet die Dynastie der Apian zwei Generationen bayerischer Gelehrter, vom Vater, dem Kosmographen des Kaisers, zum Sohn, dem Vermesser des Herzogs. Seine Geschichte erinnert schließlich daran, dass sich die Wissenschaft der Renaissance mitten in den religiösen Spannungen ihrer Zeit entwickelte, die bis auf die persönlichen Schicksale der größten Geister lasteten.
Seine Karte, lange kopiert und bis in die Neuzeit nie übertroffen, prägte das Bild Bayerns für Generationen, und seine Geschichte eines zweimal um seines Glaubens willen Vertriebenen erinnert daran, dass die Wissenschaft der Renaissance oft gegen den Strom der Mächte voranschritt, denen sie diente. In ihm vereinen sich Gelehrsamkeit, Genauigkeit und Gewissensfestigkeit.
