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Persönlichkeiten der Renaissance

Peter Apian

Kein bekanntes Bildnis dieser Persönlichkeit.

Als Astronom, Mathematiker und Kosmograph lehrte Peter Apian in Ingolstadt und diente Kaiser Karl V. Seine Bücher — Lehrbücher der Geographie und prachtvolle Astronomietraktate mit beweglichen Scheiben — gehören zu den schönsten wissenschaftlichen Objekten der Renaissance.

Was man sehen sollte

Zwei Werke fassen sein Genie zusammen: die Cosmographia(1524), ein kleines, klares Lehrbuch der Geographie und Astronomie, reichlich neu aufgelegt und überall in Europa übersetzt, und dasAstronomicum Caesareum (1540), ein großes Prachtbuch, in dem übereinandergelegte Papierscheiben, die „Volvellen", die Berechnung der Planetenstellung durch bloßes Drehen erlauben. Letzteres, in Ingolstadt in seiner eigenen Offizin gedruckt und von Hand mit kräftigen Farben gehöht, ist zugleich Recheninstrument, Kunstwerk und Huldigung an den Kaiser. Man bewundert darin die Schönheit der Illuminationen, den Erfindungsreichtum der Papiermechanismen und die den Kometen gewidmeten Tafeln, die Apian als einer der Ersten methodisch studierte.

Geschichte

1495 in Leisnig in Sachsen geboren, studiert Peter Bienewitz, genannt Apian (vom lateinischen apis, der Biene, gelehrte Übersetzung seines deutschen Namens), in Leipzig und dann in Wien, einem großen Zentrum der von Ptolemäus geerbten und von Georg Tannstetter erneuerten Kosmographie. Er lässt sich in Bayern nieder und wird 1527 Professor der Mathematik an der Universität Ingolstadt, wo er sein Leben lang lehrt. Dort richtet er eine Druckerei ein, um seine eigenen gelehrten Werke herzustellen, und beherrscht so die ganze Kette vom Entwurf bis zur Ausgabe. Seine Arbeiten verschaffen ihm die ausgezeichnete Gunst Karls V., der ihn adelt und nach dem Erscheinen des Astronomicum Caesareum mit Ehren überhäuft. 1552 stirbt er in Ingolstadt und überlässt seinem Sohn Philipp die Fortführung seines, besonders kartographischen, Werks.

Symbole und Geheimnisse

Apians Volvellen — drehbare, übereinandergelegte und durch einen Faden verbundene Papierscheiben — sind eine typische Erfindung der Renaissance, in der das Buch zur Maschine wird: Indem er die Seite handhabt, berechnet der Leser selbst die Stellung der Gestirne, ohne auf lange Tafeln oder Gleichungen zurückzugreifen. Es ist eine Pädagogik der Hand und des Auges, die die Wissenschaft greifbar macht. Apian ist auch ein aufmerksamer Beobachter des Himmels: Er bemerkt, dass der Schweif der Kometen stets von der Sonne wegweist, eine vollkommen richtige Beobachtung, die ihrer physikalischen Erklärung um mehr als ein Jahrhundert vorausgeht. Sein Werk hängt noch an der geozentrischen Kosmographie des Ptolemäus, doch die Neugier, die Genauigkeit und die Freude am Instrument kündigen bereits die neue Wissenschaft an.

Warum dieser Ort zählt

Peter Apian macht die Universität Ingolstadt in Bayern zu einem der großen Zentren der mathematischen Wissenschaften des Reichs, Wien und Nürnberg ebenbürtig. Seine Cosmographiabildete Generationen von Europäern in der Weltdarstellung aus und blieb durch ihre zahlreichen Neuauflagen und Übersetzungen fast ein Jahrhundert lang ein maßgebliches Lehrbuch. SeinAstronomicum Caesareum bleibt ein absoluter Höhepunkt der wissenschaftlichen Buchkunst, eine unerreichte Verbindung von Wissenschaft und Schönheit. Er veranschaulicht schließlich die für die Renaissance kennzeichnende Verbindung von Wissen, Druck und Macht: Der Astronom ist darin zugleich Professor, Verleger und geadelter Diener des Kaisers. Durch ihn und seinen Sohn nimmt Bayern einen dauerhaften Platz in der Geschichte der Kartographie und der Astronomie ein.

Dass ein Provinzgelehrter in Ingolstadt zum Astronomen eines Kaisers werden und seine Bücher selbst drucken konnte, zeigt, wie in der Renaissance Wissen, Drucktechnik und Macht in einem einzigen Menschen zusammentreffen konnten. Apian bleibt dafür das glänzendste und am prachtvollsten illustrierte Beispiel, und sein Name steht für die goldene Zeit der süddeutschen Wissenschaft.