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Persönlichkeiten der Renaissance

Joachim II. Hektor

Kein bekanntes Bildnis dieser Persönlichkeit.

Kurfürst von Brandenburg von 1535 bis 1571, führte Joachim II. sein Land in die Reformation und verwandelte ein spätgotisches Backsteinfürstentum in einen Renaissancehof. Ihm verdankt Berlin seine ersten erhaltenen Renaissancebauten – das Jagdschloss Grunewald, die Zitadelle Spandau – und das Mäzenatentum, das die Cranachs dauerhaft an die Mark Brandenburg band.

Wer er war

Als Sohn des katholisch gebliebenen Joachim I. Nestor wuchs Joachim II. zwischen zwei Loyalitäten auf: der Romtreue des Vaters und der Luthernähe der Mutter. Mit dem Beinamen „Hektor" nach dem trojanischen Helden verkörpert er den Fürsten der frühen deutschen Renaissance: Liebhaber von Jagd, Bauwerken, Astrologie und Alchemie, vorsichtiger Politiker, der sich erst 1539 öffentlich zur Reformation bekannte, lange nach dem benachbarten Sachsen.

Was er geschaffen hat

Die Gründungsgeste fällt auf den 1. November 1539: Der Kurfürst empfängt das Abendmahl in beiderlei Gestalt, ein öffentlicher Akt des Bekenntnisses zum Luthertum, dem eine neue, mit Philipp Melanchthon abgestimmte Kirchenordnung folgte. Als Bauherr begann er 1542 das Jagdschloss Grunewald, das er Caspar Theiss übertrug und das heute das älteste erhaltene Schloss Berlins ist. Er ließ die Zitadelle Spandau errichten, eine der am besten erhaltenen Bastionärfestungen „welscher" Art Nordeuropas, und verband seine Residenz über einen Dammweg mit Grunewald, aus dem später der Kurfürstendamm wurde. In der Malerei gab er bei der Werkstatt Lucas Cranachs einen großen Passionszyklus in Auftrag, von dem neun Tafeln in Grunewald erhalten sind.

Spuren und Vermächtnis

Seine Regierung hinterließ Brandenburg eine doppelte Prägung. Religiös verankerte er das Luthertum als Konfession der Mark, behielt aber lange eine reiche Liturgie und konservative Bräuche bei. Künstlerisch schuf er den ersten echten Renaissancekreis der Region: Die für seinen Hof zusammengetragene Cranach-Sammlung bildet noch heute den Kern des Museums im Jagdschloss Grunewald, dem einzigen Ort Berlins, an dem Cranachs in situ zu sehen sind. Grunewald und Spandau legten lange das Vokabular der nordostdeutschen Hofarchitektur fest.

Warum er zählt

In einer an Renaissancebauten armen Region ist Joachim II. der Mann, durch den der Großteil des erhaltenen Erbes kam: Ohne sein Mäzenatentum hätte Berlin weder seine ersten Renaissanceschlösser noch seine Bastionärfestung noch seinen Cranach-Zyklus. Seine widersprüchliche Gestalt – vorsichtiger Reformator und verschwenderischer Fürst, hoch verschuldet und doch offen für das Wissen seiner Zeit – fasst die Ambivalenzen einer fürstlichen Renaissance des Nordens zusammen, fromm und prachtvoll zugleich.