Als Dichter und Humanist war Conrad Celtis der erste Deutsche, der vom Kaiser zum Dichter gekrönt wurde. Als „Erzhumanist" heimste er im Reich die Gelehrtenkultur Italiens ein, gab ihr einen ganz deutschen Stolz und verband durch seine gelehrten Sozietäten die Gebildeten von Wien bis Nürnberg.
Was man sehen sollte
Das Erbe des Celtis besteht mehr aus Büchern und Institutionen als aus Monumenten: seine Sammlungen lateinischer Dichtung (die Amores, die Oden, die Epigramme), seine Textausgaben — darunter die spektakuläre Wiederentdeckung der Theaterstücke der mittelalterlichen Nonne Hrotsvit von Gandersheim, die er dem gelehrten Europa enthüllt — und sein großes, unvollendet gebliebenes Projekt einer Germania illustrata, die die Länder, Städte und die Geschichte Deutschlands methodisch hätte beschreiben sollen. In Nürnberg und Ingolstadt ist seine Erinnerung mit den Anfängen des humanistischen Unterrichts verbunden. Sein berühmtes gestochenes Bildnis, ein zu seinem Gedenken geschaffener Holzschnitt, zeigt ihn lorbeergekrönt, von allegorischen Figuren gerahmt: das Bild des gelehrten Dichters nach antikem Vorbild.
Geschichte
1459 bei Würzburg geboren, Sohn eines Winzers, studiert Conrad Pickel — der seinen Namen nach humanistischem Brauch zu Celtis latinisiert — in Köln und Heidelberg, bevor er Italien durchreist, wo er die Humanisten Roms, Venedigs, Paduas und Ferraras trifft und ihre Methoden aufnimmt. Zurückgekehrt, wird er 1487 von Kaiser Friedrich III. in Nürnberg zum Dichter gekrönt, als erster Deutscher, der diese Ehre erhält. Danach lehrt er an mehreren Universitäten — besonders Ingolstadt, wo er eine berühmt gebliebene Rede über die Würde der Wissenschaften hält, und dann Wien, wo ihm Kaiser Maximilian die Leitung eines Kollegs der Dichter und Mathematiker anvertraut. Überall gründet er sodalitates, Kreise von Gelehrten und Freunden der Literatur, die den deutschen Humanismus dauerhaft strukturieren. 1508 stirbt er in Wien und hinterlässt ein großes Vorhaben im Werden und einen gewaltigen Einfluss.
Symbole und Geheimnisse
Celtis gibt dem deutschen Humanismus eine beispiellose patriotische Dimension: Er will das Reich mit einer Gelehrtenkultur ausstatten, die ebenso angesehen ist wie die Italiens, indem er die germanische Vergangenheit ausgräbt — die Germania des Tacitus, zu deren Bekanntwerden er beiträgt, die vergessenen mittelalterlichen Autoren —, um zu beweisen, dass auch Deutschland eine des Studiums würdige Antike besitzt. Der Lorbeerkranz, den er erhält, ist keine bloße schmückende Ehre: Er behauptet feierlich, dass Deutschland Dichter hervorbringen kann, die der Antike würdig sind, und dass die lateinische Gelehrtensprache nicht das Monopol Italiens ist. Seine Sozietäten, Netze gelehrter Freundschaft, die sich von Stadt zu Stadt schreiben, nehmen die modernen Akademien vorweg und zeigen, wie der Humanismus auch eine Form der Geselligkeit und des Austauschs war.
Warum dieser Ort zählt
Conrad Celtis ist der Vater des deutschen Humanismus, derjenige, der den geistigen Schwung der italienischen Renaissance ins Reich überführte und ihm ein nationales Bewusstsein gab. Sein Wirken in Ingolstadt, Nürnberg und Wien bildete den Nährboden, auf dem Willibald Pirckheimer, der Dürer nahestehende Gelehrtenkreis und eine ganze Generation von Gelehrten gedeihen sollten. Indem er den aufkeimenden nationalen Stolz mit der klassischen Gelehrsamkeit verband, prägte er die deutsche Kultur nachhaltig, bis in die Art, wie sie sich selbst denken wird. Wenige Gestalten verkörpern so gut den Augenblick, in dem Deutschland auf seine eigene Weise und nicht als bloßer Schüler Italiens in die europäische Gelehrtenrepublik eintritt.
Dass ein fränkischer Winzersohn zum ersten gekrönten Dichter Deutschlands und zum Organisator seiner Gelehrsamkeit wurde, sagt alles über den Schwung jener Generation, die ihr Land allein durch die Kraft des Geistes auf die Höhe Italiens heben wollte. Celtis bleibt ihr Urheber und ihr Symbol, und sein patriotischer Humanismus wirkte weit über seinen Tod hinaus fort.
