Um 1455/60 geboren, war Bartholomäus Zeitblom um 1500 die beherrschende Gestalt der Ulmer Malerschule, damals in der großen Freien Reichsstadt an der Donau und einem der Kunstzentren Süddeutschlands.
Porträt
Lichtseite: ein Altarmaler von ruhigem, monumentalem Stil. Zeitblom gibt seinen Figuren eine versunkene Würde, volle Gesichter und weite Gewänder, die in großen Falten fallen; seine klaren, geordneten Kompositionen halten die Mitte zwischen schwäbischer Spätgotik und den Neuerungen aus Italien und den Niederlanden. Diese Zurückhaltung, diese ernste Milde machen den Wert seiner Kunst aus, die für die großen Flügelaltäre der Kirchen der Region sehr gefragt war. Nuance: an bewährten Formeln festhaltend, entwickelte sich sein Stil wenig; er wurde von kühneren und dramatischeren Meistern der folgenden Generation allmählich überstrahlt, die Ausdruck und Perspektive weiter trieben. Zeitblom verkörpert so den Höhepunkt einer Manier, nicht deren Überwindung.
Beiträge
Seine Altäre, u. a. im Museum Ulm und in der Staatsgalerie Stuttgart, markieren den Höhepunkt der Ulmer Schule und zählen zu den Hauptzeugnissen schwäbischer Malerei um die Wende zum 16. Jahrhundert. Sie zeigen eine noch von mittelalterlicher Spiritualität durchdrungene Renaissance. Zeitblom arbeitete für zahlreiche Kirchen Schwabens, und mehrere seiner Altäre wurden im Lauf der Jahrhunderte zerlegt, ihre Flügel über Sammlungen zerstreut; sie zu rekonstruieren ist heute eine Aufgabe der Kunstgeschichte. Sein Name bleibt mit der bildnerischen Identität der Ulmer Malerei verbunden, so wie Schongauer mit dem Oberrhein.
Einflüsse
Innerhalb der Ulmer Schule, in der auch die Bildhauer der Werkstatt Syrlin und Daniel Mauch arbeiteten, steht seine Kunst im künstlerischen Aufschwung der Freien Stadt. In der schwäbischen Tradition geschult, nahm er Neuerungen aus Italien und den Niederlanden auf. Seine Manier beeinflusste die schwäbischen Maler seiner und der folgenden Generation, bevor sich der Geschmack zu dramatischeren Kompositionen wandte; er bleibt der reinste Vertreter der Ulmer Schule auf ihrem Höhepunkt.
Warum er zählt
Zeitblom gibt einer ganzen Schule und einem ganzen Augenblick ein Gesicht: jenem, in dem die große Handelsstadt Ulm eine erstrangige Kunstproduktion unterhielt. In der Ruhe seiner Figuren spiegelt sich eine ganze Epoche schwäbischer Frömmigkeit, an der Schwelle zwischen Mittelalter und Renaissance. Ihn zu kennen heißt zu verstehen, wie die oberdeutsche Malerei kurz vor Dürer und seinen Nachfolgern eine ihrer höchsten und heitersten Leistungen erreichte.
